Kinder an der OGGS Hesselnberg werden jetzt zu Forschern. Unseren Einstieg zu diesem Thema fanden wir über die Projektwoche zum Thema „Der Natur auf der Spur“. Diese fand in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie in Form eines Online-Projektes statt. Die Ergebnisse der selbst erdachten Forscherprojekte der Kinder wurden über ein Padlet präsentiert. Wir waren begeistert!

Die Projektwoche im April 2020 zum Thema „Der Natur auf der Spur“ versteht sich als schulumfassendes Praxisbeispiel für das forschende Handeln der SuS sowie das pädagogische Konzept im Besonderen. Hiervon ist die alltägliche Umsetzung des Förderkonzepts und der Einsatz des Forscherraums abzugrenzen, welche neben ähnlichen Schulveranstaltungen insbesondere eine kontinuierliche Beschäftigung im MINT-Bereich anstrebt. Die Projektwoche kann jedoch als Modellprojekt die pädagogische Theorie in der Praxis austesten und so weiterentwickeln.

Formen des Forschens

Zielgruppe

Der Bereich MINT an der GS Hesselnberg ist Teil des Begabtenförderkonzepts. Durch den offenen Charakter und die Möglichkeiten zur selbstständigen, interessengeleiteten Erforschung komplexer Bereiche sollen Kinder motiviert und gefördert werden (vgl. Enrichment). Gleichzeitig bietet dieser Bereich mit seinen grundlegenden Möglichkeiten (Forscherraum, Materialien) die Chance für Kleingruppen bzw. AGs (z.B. Experimente-AG), ebenfalls entdeckend und angeleitet aktiv zu werden. So kann der Forscherraum mit seinen Impulsen insgesamt einer großen Gruppe an Schülerinnen und Schülern zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus stellt die Arbeit eine Vorbildfunktion für die Arbeit im Klassenverbund dar. Elemente können beispielsweise in den Sachunterricht einer gesamten Klasse transferiert werden (insbesondere die Art zu Arbeiten und zu Forschen sowie spezifische Forschungsansätze).

Für übergreifende Projekte wie beispielsweise eine Mathe-Knobelaufgabe oder jahrgangs-/ schulübergreifende Wettbewerbe soll der Raum einen Bezugspunkt darstellen. Um in diesem Rahmen sowie grundsätzlich einen Austausch zu ermöglichen, wird ein Briefkasten vor dem Raum eingerichtet.

Das entdeckende Handeln in einer sozialen Gemeinschaft unter Berücksichtigung individueller Vorerfahrungen und Interessen soll Ausdruck einer aktiven Forscherkultur an der GS Hesselnberg sein. Diese Forscherkultur versteht Forschen und Experimentieren als Form der Ko-Konstruktion. Vielfältige Bedingungsfaktoren sind somit in diesem Rahmen zu berücksichtigen:


Hinsichtlich der Versuche und Experimente lassen sich grundsätzlich drei verschiedene Formen des Forschens unterscheiden:

  • impulsfreies Forschen
    • Kinder arbeiten ohne vorgegebene Zielvorgabe mit einer Materialauswahl
    • Spielerisches Handeln und selbstgesteuertes Entdecken
  • impulsgeleitetes Forschen
    • Impulse geben einen anfänglichen Startpunkt für forschendes Handeln
    • aus den Vorgaben ergeben sich weitere, eigene Überlegungen und Ideen für Versuche bzw. Forschungen
  • das Vorführexperiment
    • Darstellung von Versuchen in einem geschützten Rahmen
    • Verbindung mit weiteren Fächern
    • Faszination von Experimenten als Anstoß für eigene Ideen

Um die Freiheit der Kinder in ihren Ausführungen gewährleisten zu können sowie zur Etablierung einer angenehmen Forschungsatmosphäre gelten gemeinsame Regeln für das Forschen. Es handelt sich dabei um variable Vereinbarungen, welche durch die Praxis überprüft und in gemeinsamer Arbeit mit den Kindern angepasst werden. Der Forscherpass als Voraussetzung für die Nutzung des Raumes bescheinigt die Kenntnis dieser Vereinbarungen und bestätigt diese.

Die konkrete Handlung beginnt mit einer Frage an die Natur und entwickelt so einen strukturierten Forscherkreis, welcher freies und angeleitetes Forschen mit adäquaten Fragestellungen im Sinne einer Hilfestellung beinhaltet.

Der hier beschriebene Forscherkreis lässt sich auf verschiedene Themenbereiche übertragen. Im Kern zielt er auf die naturwissenschaftliche Säule des Forschens ab, welche im Forscherraum der OGGS Hesselnberg ebenfalls eine zentrale Rolle einnehmen soll. Ergänzt wird dieser Forscherkreis durch spezifische Kreise für die weiteren MINT-Bereiche (Mathematik, Informatik, Technik) auf der Grundlage des Verständnisses für nachhaltige Entwicklung.

Zur systematischen Erforschung eines Sachverhalts gehören neben der Idee und ihrer Umsetzung schließlich die Beschreibung, Dokumentation und Präsentation sowie der Austausch mit anderen Personen unabdingbar dazu. Die so erlangten Erkenntnisse führen zu neuen Fragestellungen und Forschungshandlungen – es ergibt sich im Sinne der Forschungskultur eine Handlungskreis, in dem die Sicht auf die Natur immer wieder Gegenstand der eigenen Überlegungen und gemeinsamer Debatten ist und sich so fortlaufend ergänzt.

Dokumentieren und Präsentieren

Kinder, die sich intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt haben, sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Erkenntnisse und ihre Begeisterung zu einem spezifischen Thema weiterzugeben. Wichtige Gründe und Aspekte sind dabei:

  • Die Wertschätzung der eigenen Arbeit und Interessen.
  • Die Verknüpfung des MINT-Bereichs mit Elementen der Sprachförderung bzw. den Kompetenzen des Lehrplans Deutsch sowie weiteren Fächern (Sprechen und Zuhören; Lesen – mit Texten und Medien umgehen; Darstellen; Beschreiben etc.; )
  • Die Vorbildfunktion: Wecken von Interesse bei anderen Kindern an einem Thema oder an der intensiven Auseinandersetzung mit einem Themenbereich generell. Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern.
  • Der Gewinn durch einen kommunikativen Ansatz: Aus den Präsentationen und Debatten ergeben sich neue Fragestellungen (an die Natur).

Zu diesem Zweck ist der Forscherraum auch mit einer Projektionsfläche sowie Sitzgruppen ausgestattet. Die variablen Tafelelemente bieten umfangreiche und differenzierte Aufarbeitungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Mit der Zeit sollen mehr digitale Präsentationsmöglichkeiten bereitgestellt werden.

Da es sich bei vielen Gegenständen um Verbrauchsmaterial handelt, hat die Einbindung der Eltern auch in diesem Bereich eine große Bedeutung. In Briefen werden die Eltern über die Tätigkeiten im Forscherraum informiert und um Spenden in Materialform gebeten.

schulobst1 BuG SoRSmC headLogo